Wenn ein Unternehmen beschliesst, auf offenen Modellen aufzubauen, ist die erste Überraschung, wie viele es davon gibt. Es gibt nicht "das" offene Modell: Es gibt verschiedene Familien mit unterschiedlichen Zielen, Stärken und Lizenzen. Die richtige zu wählen zählt genauso viel — manchmal mehr — wie die Wahl zwischen offen und geschlossen.
Die wichtigsten Familien im Überblick
- Llama (Meta): am weitesten verbreitet, riesiges Ökosystem an Tools und Integrationen, guter generalistischer Ausgangspunkt.
- Mistral: effiziente, in Europa entwickelte Modelle, oft eine naheliegende Wahl, wenn regulatorische und sprachliche Nähe zu Europa zählt.
- Qwen (Alibaba): sehr solide mehrsprachig, hervorragend bei Code-Aufgaben, in der Unternehmensadoption schnell gewachsen.
- DeepSeek: geringe Trainingskosten, stark bei Denkaufgaben, sehr schnelle Entwicklung zwischen den Versionen.
- Gemma (Google): für den Betrieb auf kleinerer Hardware konzipiert, geeignet, wenn Effizienz wichtiger ist als maximale Leistungsfähigkeit.
Die Kriterien, die mehr zählen als der Benchmark-Wert
Öffentliche Leaderboards vergleichen Modelle anhand standardisierter Aufgaben, die selten mit Ihrem tatsächlichen Anwendungsfall übereinstimmen. Prüfen Sie vor der Auswahl: die Qualität in Ihrer Sprache (viele Benchmarks sind auf Englisch und sagen nichts über die Leistung in anderen Sprachen aus), die Grösse des Kontextfensters im Verhältnis zu Ihren Dokumenten, die Lizenz und was sie wirklich erlaubt, das Werkzeug-Ökosystem für Fine-Tuning und Serving sowie die tatsächlichen Hardwareanforderungen für das erwartete Volumen.
Ein praktischer Rahmen in vier Fragen
- Ist der Anwendungsfall generalistisch oder spezialisiert (Code, Mathematik, Fachdomäne)? Manche Familien sind in bestimmten Bereichen deutlich stärker.
- Wie wichtig ist die Leistung in Ihrer Landessprache im Vergleich zu Englisch in Ihrem Kontext?
- Welche Hardware haben Sie bereits, oder sind Sie bereit anzuschaffen? Manche Modelle liefern quantisiert deutlich bessere Ergebnisse, andere verlieren an Qualität.
- Erlaubt die Lizenz die kommerzielle Nutzung in Ihrem konkreten Szenario, einschliesslich der erwarteten Nutzerzahl?
Die richtige Antwort unterscheidet sich von Unternehmen zu Unternehmen, oft sogar von Projekt zu Projekt innerhalb desselben Unternehmens. Deshalb lohnt es sich immer, vor einer Festlegung auf eine Modellfamilie einen echten Anwendungsfall mit den eigenen Daten zu testen — statt sich nur auf ein Ranking zu verlassen.