Wenn ein Unternehmen die Einführung von KI prüft, lautet die erste Frage meist: "Welches Modell ist leistungsfähiger?" Das ist die falsche Frage, mit der man beginnen sollte — oder zumindest nicht die einzige. Bei jedem Anwendungsfall, der sensible Daten betrifft, zählt vor allem eine Frage: Wer sieht diese Daten, und unter welcher Rechtsprechung?
Der Unterschied liegt nicht in der Qualität, sondern in der Kontrolle
Ein geschlossenes Modell, das nur über die API eines Anbieters zugänglich ist, erfordert, dass Ihre Daten — oft über ausländische Server — übertragen werden, um eine Antwort zu erhalten. Ein offenes (Open-Weight-)Modell dagegen kann vollständig auf Ihrer eigenen Infrastruktur oder in einer souveränen Schweizer Cloud betrieben werden: Die Modellgewichte gehören Ihnen zum Betreiben, sie sind kein Dienst, an den Sie Informationen senden müssen.
Das ist kein technisches Detail: Bei Verträgen, Krankenakten, Finanzdaten oder Informationen, die dem Berufsgeheimnis unterliegen, entscheidet dies darüber, ob Sie vollständig konform mit nDSG und DSGVO bleiben oder sich einem rechtlichen Risiko aussetzen, das kein Vertrag mit dem Anbieter vollständig beseitigt.
Wann das geschlossene Modell die richtige Wahl bleibt
Es wäre unehrlich zu behaupten, dass offene Modelle immer gewinnen. Bei einigen komplexen Denkaufgaben sind die besten geschlossenen Modelle heute noch leistungsfähiger, und ihre Einführung erfolgt sofort, da keine zu verwaltende Infrastruktur erforderlich ist. Für nicht sensible Inhalte — Marketingentwürfe, öffentliche Recherche, Prototyping — ist dies oft die effizientere Wahl.
Ein Entscheidungsrahmen in drei Fragen
- Handelt es sich bei den betroffenen Daten um personenbezogene, vertragliche, finanzielle oder klinische Daten? Wenn ja, starten Sie standardmässig mit einem offenen Modell.
- Erfordert der Anwendungsfall eine Denkfähigkeit, die heute nur ein Frontier-Modell bietet? Prüfen Sie den Hybridansatz, mit anonymisierten Daten.
- Wer muss das System inspizieren oder auditieren können — ein Regulator, ein Kunde, Ihr Rechtsteam? Ein offenes Modell lässt sich leichter dokumentieren und erklären.
Es geht nicht um "offen gegen geschlossen". Es geht darum, eine Architektur zu bauen, in der jede Art von Daten dort landet, wo es richtig ist — und in der diese Entscheidung explizit getroffen wird, nicht standardmässig hingenommen wird, weil es zu Beginn der bequemste Weg ist.